Von insgesamt 34 Lastwagen mit Nahrungsmitteln und Wasser, die in den vergangenen zweieinhalb Monaten in Nord-Gaza einfahren konnten, gelang es nur zwölf Wagen, Hilfsgüter an palästinensische Zivilist*innen zu verteilen. Grund dafür waren Verzögerungen und systematische Behinderungen durch das israelische Militär.

Letzten Monat wurde ein Hilfskonvoi mit elf Lastwagen vom israelischen Militär zunächst an einem Kontrollpunkt in Jabalia aufgehalten. Nachdem der Konvoi mit einiger Verzögerung wieder weiterfahren durfte, wurden die Lastwagen kurz darauf erneut an einem israelischen Militärkontrollpunkt angehalten. Dort mussten die Hilfsgüter in einer militärischen Zone abgeladen werden, zu der Zivilist*innen keinen Zugang haben.

In der folgenden Woche ließ Israel zunächst 14 weitere Lastwagen mit Hilfslieferungen zu. Doch da sich die endgültige Genehmigung der israelischen Behörden verzögerte, konnten nur drei Lastwagen zu ihrem Bestimmungsort weiterfahren, einer Schule, in der vertriebene Familien untergebracht waren. Während die Hilfsgüter verteilt wurden, erhielten die Menschen jedoch die Aufforderung, den Ort zu verlassen und die Schule wurde beschossen. Am nächsten Tag kehrte das Militär zurück und brannte das Gebäude nieder.

Bestände an Hilfsgütern äußerst begrenzt

Seitdem Israel am 6. Oktober seinen militärischen Einsatz in Jabalia, Bei Lahia und Beit Hanoun verschärft hat, werden Oxfam und andere Hilfsorganisationen kontinuierlich daran gehindert, lebensrettende Hilfsgüter in den nördlichen Gazastreifen zu liefern. Die dort noch vorhandenen Bestände sind äußerst begrenzt. Es wird geschätzt, dass noch immer tausende Menschen von der Versorgung abgeschnitten sind. Anfang Dezember erhielten die im Gazastreifen arbeitenden humanitären Organisationen Anrufe von Menschen, die in Häusern und Unterkünften eingeschlossen waren, in denen es keine Nahrungsmittel und kein Wasser mehr gab.

Sally Abi-Khalil, Oxfams Direktorin für den Nahen Osten und Nordafrika: „Die Situation in Gaza ist apokalyptisch, die Menschen sitzen in der Falle und können sich nicht in Sicherheit bringen. Der öffentliche Sektor ist zusammengebrochen und das humanitäre System liegt am Boden. Oxfam fordert die internationale Gemeinschaft auf, alle diplomatischen und wirtschaftlichen Hebel zu nutzen, um die Bevölkerung im Gazastreifen zu schützen. Jeder Tag, der ohne Waffenstillstand vergeht, ist ein Todesurteil für weitere Zivilist*innen.“

Grenzübergänge kaum noch funktionstüchtig

Die meisten Grenzübergänge im Gazastreifen sind kaum noch funktionstüchtig. Nur der Grenzübergang Erez West funktioniert durchgängig. Oxfam-Mitarbeiter*innen berichten, dass der Zugang für humanitäre Hilfe überall im Gazastreifen auf einem historischen Tiefstand ist.

Oxfam fordert einen sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand und die Freilassung aller Geiseln. Die Behinderung der humanitären Hilfe muss beendet werden, und zwar durch den Schutz der Zivilbevölkerung und den ungehinderten Zugang aller lebensrettenden Hilfsgüter in den Gazastreifen, einschließlich Nord-Gaza.


Redaktionelle Hinweise:

  • Das Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) bestätigte, dass die Vereinten Nationen und ihre Partner zwischen dem 6. Oktober und 16. Dezember 2024 versucht haben, 137 Einsätze in Nord-Gaza zu koordinieren. Mehr als 90 Prozent wurden rundweg abgelehnt. Zwei wurden genehmigt: der Konvoi des UN-Welternährungsprogramms (WFP) am 7. November mit elf Lastwagen, die Lebensmittel und Wasser transportierten und der WFP-Konvoi mit 14 Lastwagen am 11. November, von denen nur drei einreisen konnten. Weitere elf Einsätze, bei denen es sich um Missionen zur medizinischen Evakuierung und Bewertung im Kamal Adwan Krankenhaus handelte, wurden genehmigt. Eine konnte das Krankenhaus aufgrund militärischer Aktivitäten nicht erreichen. Bei den anderen gab es Hindernisse auf dem Weg. 
  • Die Mahdia al-Shawa Schule wurde am 12. November vom israelischen Militär beschossen.
  • In einer OCHA-Meldung vom 10. Dezember wurde bestätigt, dass sich immer noch 65.000 bis 75.000 Menschen im nördlichen Gaza befinden. Es wird angenommen, dass diese Zahl jetzt deutlich niedriger ist. Aufgrund der Zugangsbeschränkungen sind jedoch keine genauen Schätzungen verfügbar.